Die Demokratie braucht eine Vitalisierung

demokratie-1536654_1280Die Welt scheint aus den Fugen geraten. Krisen und Konflikte, wohin das Auge reicht. Viele Menschen sind deshalb stark verunsichert. Ihr Vertrauen in die Politik schwindet zusehends. Sie trauen den Volksvertretern kaum mehr zu, die wachsenden Probleme in einer immer komplexeren Welt zu lösen. Rechtspopulisten mit ihren vermeintlich einfachen Antworten auf schwierige Fragen gewinnen weltweit an Zulauf. Steckt die Demokratie in der Krise?
Folgt man dem britischen Politikwissenschaftler Colin Crouch, dann lautet die Antwort: Ja! Crouch hat den Begriff der „Postdemokratie“ geprägt. Demnach funktionieren Institutionen der repräsentativen Demokratie formal zwar noch. Aber tatsächlich hätten sie ihre Macht längst an überstaatliche Strukturen und Akteure abgegeben, existierten also quasi nur noch als eine Art leere Hülle.

Der belgische Historiker David Van Reybrouck hat in dieser Woche mit einem spektakulären Therapie-Vorschlag für den Patienten Demokratie aufhorchen lassen. Er will mit Losverfahren wieder mehr Lust auf demokratische Teilhabe wecken. Hinter diesem auf den ersten Blick absurd anmutenden Vorschlag steckt die Idee, mit einem statistisch ausgeklügelten Losverfahren Bürger auszuwählen, die die gesamte Gesellschaft repräsentieren. Sie sollen sich in politische Themen einarbeiten, Experten zu Rate ziehen und schließlich Entscheidungen treffen. Denkbar wäre ein Zweikammersystem: eine mit gewählten Politikern, eine mit ausgelosten Bürgern.

Die Demokratie mag zwar in der Krise stecken. An Ideen für eine Vitalisierung gibt es indes keinen Mangel. Freilich: Ohne engagierte Bürger wird sich nichts ändern.

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Aleppo geht uns alle an

boot-998966_1280Was sich in Aleppo abspielt, ist eine menschliche Katastrophe, die nicht nur empfindsamen Naturen das Herz zerreißen müsste. Die westliche Staatengemeinschaft versagt kläglich und lässt die leidende Bevölkerung im Stich. Was jeder von uns in dieser trostlosen Situation tun kann? Geschundene Flüchtlinge aus Bürgerkriegsgebieten gastfreundlich in unserem Land aufnehmen. Das ist das Mindeste!

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Burka und die Toleranz der offenen Gesellschaft

burka-117519_960_720Burka-Trägerinnen wirken auf mich befremdlich. Mit der Verschleierung kommt ein Frauenbild zum Ausdruck, das ans Mittelalter erinnert. Denn die Burka signalisiert bekanntermaßen Rückständigkeit und Abgrenzung. Das passt ganz und gar nicht zu meiner Vorstellung von einer offenen und gleichberechtigten Kultur des Miteinanders in einer aufgeklärten Gesellschaft. Aber soll man deshalb das sackartige Stück Stoff verbieten? Nein, so sehr der Ruf nach Verbannung einer Vollverschleierung aus dem Straßenbild nachvollziehbar erscheint: Eine freie Gesellschaft zeichnet sich nicht zuletzt durch ihre Toleranz gegenüber Andersdenkenden aus. Jeder hat das Recht auf Selbstbestimmung, solange er keine Rechte seiner Mitbürger verletzt. Auch wenn es manchmal schwerfällt, das zu akzeptieren.

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